Arezzo
Wer sich näher mit der Toskana beschäftigt, wird früher oder später auf Arezzo treffen, beziehungsweise
sich mit diesem Fleckchen Erde näher beschäftigen wollen. Dabei muss man zunächst eine Unterscheidung
zwischen der Provinz und der Stadt Arezzo treffen.
Die Provinz Arezzo, die auf italienisch Povincia di Arezzo heißt, will nicht so recht in das Bild passen, das man sich normalerweise gerne von der Toskana macht. Dies mag daran liegen, dass zunächst einmal die geographische Lage von Arezzo eine besondere ist. Die Provinz Arezzo liegt fast etwas isoliert von anderen toskanischen Provinzen. Im Norden grenzt Arezzo an die Provinz Foli-Cesena, im Nordosten an die Marken und damit an die Provinzen Pesaro und Urbino, im Osten an Umbrien und damit an die Provinz Perugia, im Südwesten findet man bald Siena und im Nordwesten grenzt Arezzo an die Provinz Florenz, was in der Geschichte der Stadt Arezzo immer wieder eine Rolle gespielt hat. Geographisch bleibt noch zu erwähnen, dass der Fluß Arno die Provinz Arezzo durchquert.
Aber nicht nur die geographische Lage hebt die Provinz Arezzo von anderen Provinzen ab, sondern auch die
Tatsache, dass Arezzo in besonders starkem Maße noch heute seine Herkunft aus Etrurien hervorhebt und diese
bewahrt und pflegt. Dies zeigt sich in fast allen der 39 Gemeinden in Arezzo, besonders aber in der Hauptstadt
der Provinz, der Stadt Arezzo. Die Stadt Arezzo wurde nämlich bereits im 7. Jahrhundert vor Christus etruskisch
besiedelt und im 5. Jahrhundert sprechen die Quellen das erste Mal von der etruskischen Stadt Arretium,
die sich im Laufe der Jahrhunderte stetig vergrößerte. Dazu trug auch bei, dass die Stadt von den Römern
nicht zerstört wurde. Dies hing vor allem damit zusammen, dass die Stadt strategisch sehr wertvoll lag
und deshalb von entscheidender Bedeutung für die Römer war. Arezzo befindet sich auf einem kleinen Hügel,
von dem man - auch noch heute - das gesamte Arno-, Tiber- und das Chiana-Tal überblicken kann. Dies bot
den Römern natürlich einen unschlagbaren Vorteil gegenüber anderen Gruppen.
Ab etwa dem 4. Jahrhundert nach Christus wurde Arezzo zu einem Bischofssitz und behielt allein deshalb
weiterhin eine wichtige Stellung, die sich in langobardischer und karolingischer Zeit fortsetzte, weil
ein wichtiger Herrschersitz dort eingerichtet wurde. Zudem galt die Stadt in späteren Jahrhunderten als
Kaisertreu und war neben Pisa die einzige Stadt in der Toskana im frühen 14. Jahrhundert, die auch kaisertreu
blieb. Aus diesem Grund hielt sich auch Kasier Heinrich VII eine Zeitlang in Arezzo auf. Nachdem allerdings
Arezzo bald darauf an Florenz fiel, war es mit der Blütezeit vorbei, denn die Medici waren an einem starken
Arezzo nicht interessiert. Trotzdem hat Arezzo vor allem im 15. und 16. Jahruhndert einige Persönlichkeiten
hervorgebracht, wie zum Beispiel den Dichter Petrarca oder den Erbauer der Uffizien Giorgio Vasari.
Heute ist Arezzo eine sehr moderne Stadt mit fast 100000 Einwohnern, die aber immer noch eine starke
Verbindung zu ihrer Vergangenheit hat. Die meisten der Einwohner Arezzos leben nämlich vom Handwerk,
das in Arezzo seit etruskischer Zeit eine Tradition hat. Früher war Arezzo als Keramik- und Metallstadt
bekannt und heute zieht es viele wegen des dort produzierten Goldschmucks und wegen des Antiquitätenmarktes,
der jeden ersten Samstag und Sonntag im Monat stattfindet nach Arezzo. Beides sucht seinesgleichen auf der Welt.
Für Toursiten sind daneben natürlich die Kaufherrenpaläste, Patrizierhäuser und Kirchen interessant, sowie
die Geburtshäuser und Wirkungsstätten der bekanntesten Söhne und Töchter der Stadt.
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