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Toscana – Rezension

Wer dazu neigt, ein Buch von vorne zu lesen, gewinnt rasch einen seltsamen Eindruck vom Reiseführer „Toscana“, beginnen die Autoren doch zunächst damit, Italien-Klischees zu bestätigen. Wolf-Eckhart Bühler und Hella Kothmann bedienen sich dabei eines polemischen Stils, der Erstreisende eher abschrecken dürfte, sowohl vom Reiseziel Toskana als auch vom Weiterlesen. Der süffisante Tonfall soll vermutlich Kennerschaft signalisieren, wirkt jedoch übersättigt und hochnäsig, nach dem Motto: Wir kennen sie alle, wir haben alles gesehen und wissen, was gut ist. „Schön für euch!“, möchte der Unerfahrene den Autoren zurufen, um anschließend zu einem sachlicher geschriebenen Handbuch zu greifen.

Tatsächlich richtet sich der vorliegende Band der Reihe „Know-How“ eher an Reisende, die bereits die Toskana besucht haben oder aber viel Zeit mitbringen, um diesen Teil Italiens zu erkunden. Dass Elba auf keiner der 672 Seiten erwähnt wird, auch nicht in der 2011 erschienen siebenten Auflage, dürfte der Tatsache geschuldet sein, dass 2010 in derselben Reihe ein eigener Titel herausgegeben wurde, der sich mit der Insel befasst. Schwerpunkte des Handbuchs sind Florenz und Chianti. Allerdings werden sämtliche Orte ausführlich behandelt, auch Land- und kleinere Ortschaften. Ergänzt werden die Beschreibungen durch kulturhistorisches Hintergrundwissen, Anreise- und Verkehrshinweise sowie umfangreiches Kartenmaterial. Zwei jeweils einseitige Sprachführer, einer ist der kulinarischen Toskana vorbehalten, sind mitten im Buch zu finden.

Das Thema Camping wird nach wie vor recht stiefmütterlich behandelt. Mehr Informationen zu preiswerteren Unterkünften finden sich bei Klöstern und Pensionen. Solche Übernachtungsmöglichkeiten sowie Hotels und Villen sind detailliert erörtert. Ebenfalls sehr praktisch sind die umfassenden Hinweise auf Restaurants, Cafés und Bars, wenngleich einige Auskünfte fehlen, die für Erstreisende hilfreich wären. Was nützt beispielsweise die beste Empfehlung für Eis, wenn es saisonbedingt noch gar nicht verkauft wird?

Toscana

Toscana

Die Stärke dieses Handbuchs liegt darin, nach Reisezielen gegliedert, Sehenswertes und touristische Infrastruktur zu erläutern. Darin beziehen die Autoren, basierend auf ihrer gründlichen Kenntnis der Provinz, zahlreiche Insidertipps ein, sowohl zu den Gegebenheiten vor Ort als auch Abstecher betreffend. Es empfiehlt sich, diese Abschnitte bereits während der Reisevorbereitung zu lesen: Ob ein Ziel überlaufen ist, hängt von der Reisezeit ab. Für einige Sehenswürdigkeiten ist es immer ratsam, Karten vorzubestellen. Wer etwa das Pech hat, dennoch in einem überfüllten Florenz einzutreffen, findet Alternativen, um dem Trubel zu entkommen und die ruhigen Momente der Stadt zu genießen.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass sich der Band sehr gut für die Planung und als Reisebegleiter erfahrener Individualtouristen eignet.
Warum aber die beiden Sprachführer nicht am Ende oder am Anfang zu finden sind, weshalb Entdecker mit schmalem Budget unzureichend berücksichtigt und Einsteigern Informationen vorenthalten werden, weiß allein der Verlag.
Erfahrung besitzen Bühler und Kothmann zweifellos, aber vielleicht haben die beiden Routiniers vergessen, dass es immer jemanden gibt, der zum ersten Mal in die Toskana reisen möchte. Weniger Fotos und Dünkel, stattdessen ein höherer informationeller Wert – mit diesem Rezept könnte die nächste Auflage mehr werden als ein amüsantes Handbuch für Fortgeschrittene.

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