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Siena in 3 Tagen

Siena gehört neben Florenz zu den beliebtesten Reisezielen in der Toskana und ist im Gegensatz zur Letztgenannten weniger durch die Architektur der Renaissance geprägt, sondern hat sich weitgehend ihren mittelalterlichen Charme bewahrt, der sich vor allem in den gut erhaltenen Bauten der Italienischen Gotik zeigt. Charakteristisch sind vor allem die hohen Backsteinpaläste, die dafür sorgen, dass in manche enge Gasse kaum ein Sonnenstrahl fällt. Für genügend Licht im Inneren sorgen die Sienesischen Bögen, durch welche die Fassaden der Stadtpaläste reich gegliedert werden. Heute ist Siena eine mittelgroße Stadt und hat Siena rund 52.000 Einwohner. Die historische Altstadt gehört seit 1995 zum Weltkulturerbe der UNESCO, was an dem guten Erhaltungszustand und zahlreichen Restaurierungen lag sowie in der Tatsache begründet wurde, dass man sie bereits 1956 zur Fußgängerzone erklärte, sehr zum missfallen ansässiger Geschäftsleute. Für heutige Touristen war diese Maßnahme hingegen ein Segen, denn in kaum einer anderen italienischen Stadt lässt es sich so ungestört flanieren wie in Siena. Sogar die meisten Vespa-Fahrer halten sich an das Verbot durch das Zentrum zu fahren.

Siena hat eine lange Geschichte vorzuweisen, wobei über die Frühzeit nur relativ wenig bekannt ist. Vermutlich handelt es sich um eine etruskische Gründung, die kurz darauf bereits zur römischen Kolonie wurde. Die mythologische Gründungsgeschichte handelt von einer Wölfin und ähnelt somit stark der von Rom, was die enge Beziehung zu Rom weiter verdeutlicht. Zu einer gewissen Bedeutung gelangte die Stadt jedoch erst im frühen Mittelalter, da es schriftliche Quellen gibt, die sie ab dem 7. Jahrhundert als Bischofssitz ausweisen. Aufgrund ihrer strategisch günstigen Lage in Mittelitalien erlebte die Stadt ab dem 12. Jahrhundert einen starken wirtschaftlichen Aufschwung, der zu militärischen Konflikten mit dem nur 50 Kilometer entfernten Florenz führte. Insbesondere die Medici sahen das wirtschaftlich aufblühende Siena, das in direkter Nachbarschaft lag, nur mit äußerstem Argwohn. Das erstarkende Bürgertum wurde als starke Konkurrenz wahrgenommen. Ähnlich wie Florenz entwickelte sich die Stadt, begünstigt durch ihren Reichtum, zum Anziehungspunkt für Künstler und Gelehrte. Die folgenden Jahrhunderte waren von immerwährenden Grenzstreitigkeiten geprägt und Siena wurde zwischenzeitlich immer wieder belagert. Nachdem es zusätzlich zu Streitigkeiten mit Neapel und dem Papsttum gekommen war wurde Siena 1557 schließlich Cosimo I de’Medici als Lehen zugeschlagen und wurde somit Teil des Großherzogtums Toskana. Hiermit hatte die Stadt endgültig ihre Unabhängigkeit verloren.

Im Jahr 1240 wurde die Universität von Siena gegründet, die somit zu den ältesten Hochschulen in Italien gehört und die heute von ungefähr 20.000 Studenten besucht wird. Gemessen an der Bevölkerungszahl gilt Siena daher als typische Studentenstadt, was sich im Straßenbild durchaus widerspiegelt.
Heute beherbergt Siena zahlreiche Sehenswürdigkeiten und kunsthistorische Schätze. Trotz des reichen kulturellen Erbes ist es ohne Weiteres möglich innerhalb von drei Tagen die wichtigsten Orte der Stadt zu erkunden und viel von der besonderen Atmosphäre des Ortes aufzunehmen. Neben Kirchen und Museen gibt es zahlreiche reich ausgestattete Palazzi, die auf eine lange Historie zurückblicken lassen. Die meisten historischen Palazzi wurden innerhalb der letzten drei Jahrhunderte von Grund auf restauriert, sodass sich ein sehr gepflegtes Stadtbild ergibt. Empfehlenswert ist ein Besuch im Sommer, wenn sich die ganze Stadt auf den traditionsreichen Palio vorbereitet.

Siena

Siena @iStockphoto/DNY59

Der Palio di Siena und Il Campo

Siena ist weltberühmt für den Palio de Siena. Seit 1644 findet das traditionelle Pferderennen zweimal im Jahr statt, jeweils am 2. Juli und 16. August. Die Vorbereitungen für das Spektakel, das im Schnitt lediglich zwei Minuten dauert, beginnen bereits Wochen im Voraus und versetzen die ganze Stadt in Aufregung. Siena bestand ursprünglich aus 17 Contraden (Bezirken), die innerhalb der Stadtmauern lagen. Benannt wurden die meisten nach ihren Wappentieren, die man überall in der Stadt verteilt vorfindet. Die einzelnen Bezirke grenzen sich zum Beispiel durch unterschiedlich gestaltete Straßenlaternen ab, die mit dem jeweiligen Wappen geschmückt sind. Beim Palio treten insgesamt zehn der Bezirke gegeneinander an. Reiter und Pferde tragen die Farben des jeweiligen Bezirks und dementsprechend aufgeladen ist die Stimmung innerhalb der ganzen Stadt. Das Rennen selber ist nicht ganz ungefährlich und es kommt regelmäßig vor, dass Reiter und Ross zu Schaden kommen. In der Vergangenheit starben bereits etliche Pferde bei der rasanten Hatz in der Altstadt. Die Siegesfeiern können sich dafür im Anschluss über mehrere Tage hinziehen und bestehen meistens aus großen bezirkübergreifenden Festbanketten. Die Karten für die besten Plätze um das Rennen zu sehen sind in der Regel bereits Monate im Voraus ausverkauft.

Austragungsort des Palio ist der Hauptplatz von Siena, der schlicht Il Campo genannt wird. Bei Palio werden hier Tribünen aufgebaut, die denjenigen eine gute Sicht bieten, die keinen Balkon haben, der auf den Campo hinaus geht. Der von Cafés und Restaurants gerahmte Platz ist halbkreisförmig und hat in etwa die Form einer Muschel. Seine Fläche besteht aus roten Backsteinen, die im Fischgrätmuster gelegt sind. Die Muschelform wird durch einzelne weiße Streifen aus Travertin noch zusätzlich betont. Auch abseits des Palio ist der Campo der beliebteste Treffpunkt der Stadt. Über die Via di Città, eine belebte Einkaufsstraße, erreicht man den Platz über Treppengassen und blickt direkt auf den Palazzo Pubblico. Schon im 14. Jahrhundert wurden Vorschriften erlassen, um den Fassaden ein einheitliches Aussehen zu verleihen und das Bild des Platzes zu verschönern. So wurden etwa Galerien, Vorsprünge und Vordächer verboten und die Häuser so umgebaut, dass sie nur noch zwei- und dreibogige Fenster nach dem Vorbild des Palazzo Pubblico hatten. Die Bürger der Stadt wurden durch zahlreiche finanzielle Erleichterungen angehalten sich an diesem Bauprogramm zu beteiligen, das einmalig für die damalige Zeit war und bis heute das Bild der Stadt maßgeblich prägt.

Der Palazzo Pubblico

Der Palazzo Pubblico ist das Rathaus von Siena. Mit seinem Bau wurde 1297 begonnen, wobei es ursprünglich nur aus dem mittleren Block mit drei Geschossen bestand. Der Palazzo wurde 1305 um ein Obergeschoss und 1307 um die Seitenflügel ergänzt. Seine heutige Höhe erhielt er erst 1680. Der Unterbau mit seiner Travertinfassade diente als Vorbild für viele andere Gebäude in Siena und vor allem rund um den Campo. Darüber befinden sich die Backsteingeschosse, die durch zahlreiche Fenster und Portale gegliedert werden. An der Fassade selber befindet sich ein riesiges Medici-Wappen. Überflügelt wird es jedoch vom Strahlenkranz des Heiligen Bernadino, dem Schutzheiligen von Siena, der gegen die Eitelkeit predigte. Der Strahlenkranz trägt zusätzlich das Christus-Monogramm IHS. Es ist typisch für Siena, dass ein solches Symbol direkt oberhalb des Medici-Wappens angebracht wurde. Im Inneren des Rathauses befindet sich heute das Museo Civico, eines der wichtigsten Museen der Stadt. Sehenswert sind hier vor allem der Sala del Mappamondo, mit seinen einzigartigen Fresken sowie der Sala della Pace mit den bekannten Fresken von Ambrogio Lorenzetti, welche die „Gute und die Schlechte Regierung“ darstellen. Der Turm des Rathauses, der Torre del Mangia überragt mit 102 Metern die gesamte Altstadt, obwohl er an der niedrigsten Stelle der Stadthügel erbaut wurde. Sein Bau begann 1325 und dauerte 19 Jahre. Die Bekrönung aus leuchtend weißem Travertin erhielt er jedoch erst 1680. Für Besucher ist der Turm leider nicht immer geöffnet, obwohl er einen hervorragenden Blick über die Stadt bietet. Es lohnt sich jedoch auf die angeschlagenen Öffnungszeiten zu achten.

Der Dom Santa Maria

Der Dom Santa Maria ist die bekannteste Kirche in Siena und zählt zu den wichtigsten Beispielen gotischer Architektur in Italien. Die Hauptkirche der Stadt besteht aus schwarzem und weißem Marmor und besitzt daher einen sehr hohen Wiedererkennungswert. Im Jahr 1229 wurde mit dem Bau begonnen, indem die romanische Basilika, die bereits zuvor an der Stelle stand miteinbezogen beziehungsweise teilweise überbaut wurde. Typisch gotische Elemente sind das erhöhte, eingewölbte Mittelschiff sowie das aufwendige, mehrschiffige Querhaus. Der Chor ist ebenfalls gotisch, wobei sich eine unregelmäßige sechseckige Kuppel über der Vierung spannt, die weiterhin romanisch blieb und für einige Unregelmäßigkeiten im architektonischen Erscheinungsbild der Kirche verantwortlich ist. Der Dom war im Jahr 1263 zu großen Teilen fertiggestellt. Der 77 Meter hohe Glockenturm wurde hingegen erst 1313 vollendet. Er ist an die pisanisch-lombardischen Türme aus romanischer Zeit angelehnt, die sich auch andernorts in der Toskana finden. Das Nordseitenschiff und die unvollendete Fassade des Duomo Nuovo sind das Zeugnis einer 1339 begonnenen und nicht vollendeten Vergrößerung, die aus finanziellen Gründen nicht beendet werden konnte. Die Front des Doms wird durch die dreiachsige Westfront gebildet, die durch spitze Dreiecksgiebel gekennzeichnet und durch Säulen, Statuen und eingelegte Marmorplatten gegliedert wird.
Im Innenraum des Doms gehört der Piccolomini Altar, der zwischen 1481 und 1485 von Andrea Bregno geschaffen wurde zu den wichtigsten kunsthistorischen Schätzen. Er besteht aus Carrara Marmor und zeigt verschiedene Heiligenfiguren. Einmalig ist auch der Mosaikfussboden, der aus aufwendigen, schwarz-weißen Einlegearbeiten und meisterhaft verzierten Marmorplatten besteht. Es gibt insgesamt mehr als 50 Paneele, die nach den Entwürfen von unzähligen berühmten Künstlern zwischen dem 14. und dem 16. Jahrhundert geschaffen wurden. Neben sakralen Themen aus der Bibel sind auch antike Allegorien und Tugenden dargestellt, die insgesamt ein reiches und abwechslungsreiches Bildprogramm ergeben. Beachtenswert sind darüber hinaus die Pecci-Grabplatte von Donatello und die achteckige, auf Säulen ruhende Kanzel von Niccolò Pisano, die von Löwen gestützt wird. Das Chorgestühl weist reiche Intarsienarbeiten auf und das Chorfenster wurde von Duccio di Buoninsegna entworfen.

In der Libreria Piccolomini, die sich linker Hand in der Kirche befindet, wird die wertvolle Handschriftensammlung von Papst Pius II. aufbewahrt. Sie wurde von Todeschini Piccolomini, dem späteren Papst Pius III. 1495 gestiftet. Leben und Wirken von Pius II. sind hier in einen gut erhaltenen Freskenzyklus von Pinturicchio dargestellt. Er beginnt rechts neben dem Fenster und spielt sehr stark mit der Perspektive. Das Wappen der Piccolomini, eine Mondsichel, ist wie an vielen Orten in Siena auch hier zu finden, da die Familie zu den einflussreichsten Geschlechtern der Stadt gehörte.

Das Baptisterium San Giovanni

Unterhalb des Domes befindet sich das Baptisterium San Giovanni, in das man lediglich von außen gelangt. Vorbei an einem kleinen Museum, das zahlreiche Originale von der Fassade und den alten Fundamenten des Chores ausstellt, führen viele Treppen hinab bis ins Baptisterium. Die Fresken des 15. Jahrhunderts wurden hier leider übermalt, allerdings ist das Taufbecken, das 1417 geschaffen wurde, äußerst sehenswert. Die Renaissance-Meister Jacopo della Quercia, Donatello, Ghiberti und Giovanni Turino haben jeweils Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers in ihrem ganz eigenen Stil geschaffen. Schlussendlich fügen sie sich jedoch zu einem einheitlichen Bild zusammen.

Das Ospedale della Scala

Direkt gegenüber der Domtreppe befindet sich das ehemalige Ospedale della Scala, dessen Wappen an der Fassade eine Leiter zeigt, die namensgebend war. Die Arbeiten an dem Gebäude begannen bereits im 9. Jahrhundert, sodass es auf eine sehr lange und bewegte Geschichte zurückblickt und zu den ältesten Gebäuden der Stadt gehört. Seit 1988 wird das wunderschöne Gebäude nicht mehr als Hospital, sondern als Museum genutzt. Im Sala del Pellegrino ist ein Freskenzyklus aus dem 15. und 16. Jahrhundert zu sehen, auf dem die Aufgaben des Hospitals bildlich dargestellt sind. Ursprünglich diente es nicht nur der Krankenpflege, sondern auch der Almosenverteilung und der Betreuung von Waisenkindern. Zeitweise wurde es auch als Xenodochium, also als Pilgerunterkunft genutzt.

Die Hallenkirche San Domenico

Die Hallenkirche San Domenico gehört neben dem Dom zu den sakralen Highlights von Siena und sollte auf keiner Städtetour fehlen. Sie wurde zwischen 1215 und 1254 errichtet und ist vor allem für die Kapelle der Heiligen Katharina bekannt. Die kleine zweistöckige Kapelle befindet sich rechts am Eingang und beherbergt das einzige als authentisch geltende Bild der berühmten Heiligen. Die Kapelle wird auf das Jahr 1488 datiert, wurde 1526 von Sodoma jedoch nachträglich mit Fresken ausgestattet, welche ihre Lebensgeschichte nachzeichnen. In der Kapelle wird darüber hinaus die Kopfreliquie der Heiligen ausgestellt. Die Unterkirche wird heute hauptsächlich als Konzert- und Veranstaltungsraum genutzt.

Die Palazzi von Siena

Was die Palazzi angeht braucht sich Siena nicht hinter Florenz zu verstecken. Viele der reichen Stadtpaläste sind für die Öffentlichkeit zugänglich. Die Accademia Musicale Chigiana sitzt bereits seit 1932 in einem der schönsten Palazzi Sienas, dem Palazzo Chigi-Saracini, der zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert gebaut wurde. Er wurde im 18. Jahrhundert restauriert, sodass heute seine Sienser Fenster besonders gut zur Geltung kommen. Im Innenhof befindet sich ein sehr schöner Renaissance-Brunnen und lädt zum Verweilen ein. Die wertvolle Gemäldegalerie darf leider nur mit einer Sondererlaubnis besichtigt werden.
Der Palazzo Tolomei ist vermutlich der älteste Profanbau von Siena und wurde bereits vor 1205 errichtet. Das Erdgeschoss wurde nach 1267 beinahe festungsartig umgebaut. Heute befindet sich eine Bank in dem Gebäude, das wegen seiner zweifachen Aufstockung schmal und gleichzeitig robust wirkt.
An der Via di Città befindet sich der Piccolmini-Palast delle Papesse (der Päpstin), der für Caterina Piccolomini, die Schwester des Papstes Pius II, erbaut wurde. Vermutlich wurde er von Bernardo Rosselino zwischen 1460 und 1465 errichtet. 1864 wurde der Palazzo, der deutliche Züge der Frührenaissance erkennen lässt restauriert. Rosselino war auch für den Bau des mächtigen Palazzo Piccolomini verantwortlich. Der buckel-quaderige und düster wirkende Palast steht gleich an der Nordostecke des Campo. Heute befindet sich das Staatsarchiv in seinem Inneren. Rosselino war somit einer der wenigen Architekten die Renaissance-Einflüsse nach Siena gebracht haben.

Die Bank Monte dei Paschi gilt als das älteste Kreditinstitut der Welt und hat ihren Sitz im Palazzo Salimbeni. Der ursprüngliche Palazzo wurde von einer Seneser Familie als Festung erbaut, jedoch im 13. Jahrhundert bei Aufständen zerstört. Kurz nach dem Wiederaufbau wurde die Familie aus Siena verbannt und der Palazzo fiel an die Stadt. 1866 wurde er von der Monte dei Paschi erworben, die das Gebäude restaurieren ließ und noch heute als Bank nutzt. Aus kunsthistorischer Sicht ist vor allem die Galleria Peruzziana interessant. Auf Fresken werden hier berühmte Persönlichkeiten aus der Geschichte Sienas dargestellt. Die Kunstsammlung des Geldinstituts zählt zu den wichtigsten der Stadt und reicht vom 14. bis ins 19. Jahrhundert.

Die Pinacoteca Nazionale di Siena

In der Pinacoteca Nazionale di Siena befinden sich bedeutende Bildwerke des 14. bis 16. Jahrhunderts. Darüber hinaus beheimatet sie internationale Kunst in der Spannochi-Sammlung. Das Museum, das schon 1932 eingeweiht wurde, erstreckt sich über die beiden Palazzi Brigidi und Buonsignori, die in der Via San Pietro, im Stadtteil Terzo di Città liegen. Die Sammlung besteht zu großen Teilen aus Beständen der Accademia di belle arti di Siena aus dem 19. Jahrhundert und wird auch heute noch sukzessive erweitert.