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Pisa in 3 Tagen. Diese Sehenswürdigkeiten sollten Sie gesehen haben

Die italienische Stadt Pisa hat rund 90.000 Einwohner und ist die Hauptstadt einer italienischen Provinz, die nach der Stadt benannt ist. Unter den Städten der Region Toskana liegt Pisa auf dem siebenten Rang, mit nur rund einem Viertel der Bewohner von Florenz, der Hauptstadt der Toskana. Pisa ist in der ganzen Welt vor allem wegen ihrer größten Sehenswürdigkeit bekannt: dem „Torre pendente“, dem Schiefen Turm von Pisa. Allerdings gibt es in der toskanischen Stadt sehr viel mehr Gebäude und Orte, die einen Besuch lohnen.

Eine kurze Geschichte von Pisa

Schon 225 Jahre vor Christi Geburt wurde die Stelle, an der sich Pisa heute befindet, von den Römern befestigt. Die Lage am Ligurischen Meer war günstig, um sich gegen die Ligurier zu verteidigen. Zur Siedlung und zur römischen Provinz wurde Pisa im Jahr 180 vor Christus. Im Mittelalter spielte die Stadt eine große Rolle in der Seefahrt und stand im ständigen Konflikt mit den italienischen Republiken Genua und Florenz. Letztere eroberte Pisa im 15. Jahrhundert. Anfang des 16. Jahrhunderts wurde Pisa Teil des erst kurz zuvor gegründeten Herzogtums Toskana, das seit 1861 zu Italien gehört.

Der Schiefe Turm von Pisa

Das ikonische Wahrzeichen von Pisa ist der Schiefe Turm, der im Italienischen Torre pendente di Pisa heißt. Er ist 55 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 12 Metern. 14.200 Tonnen Marmor, die in der toskanischen Stadt Carrara abgebaut wurden, kamen beim Bau zum Einsatz. Das Gebäude dient als Glockenturm für den Dom von Pisa, weshalb es mit insgesamt sieben Glocken ausgestattet ist – eine für jeden Ton der Tonleiter. Lange Zeit konnten die Glocken nicht geläutet werden, weil ansonsten die Gefahr bestand, dass der ganze Turm wegen seiner Schieflage einstürzt. Heute werden die Glocken jeden Tag um 12 Uhr und vor jeder Messe von Hand angeschlagen.

Der Grundstein zum Bau des Turms wurde im August 1173 gelegt. Fünf Jahre später, beim Erreichen des zweiten Stockwerks, wurde festgestellt, dass das Fundament in den weichen Boden versank und sich deshalb zur Seite neigte. Die Bauarbeiten wurden bis ins Jahr 1272 pausiert, um dem Untergrund Zeit zu geben, sich festzusetzen. Die folgenden vier Etagen wurden schief gebaut, damit der Turm ausbalanciert werden konnte. Deshalb ist die Konstruktion als solche bereits schief. Wegen der Niederlage von Pisa in der Seeschlacht bei Meloria gegen Genua wurden die Bauarbeiten zwischen 1284 und 1319 erneut unterbrochen. Das letzte Element des Turms, die Glockenstube, wurde im Jahr 1372 vollendet, also beinahe 200 Jahre nach Baubeginn. Der Legende nach warf Galileo Galilei, einer der berühmtesten Söhne von Pisa, zwei Kanonenkugeln mit unterschiedlichem Gewicht vom Turm, um damit seine Theorie von der Schwerkraft zu beweisen. Im Zweiten Weltkrieg nutzten die deutschen Truppen den Schiefen Turm als Beobachtungsposten, jedoch sah die US-amerikanische Armee davon ab, das Bauwerk zu zerstören, weil sie fasziniert von seiner Schönheit war. Ab 1990 wurde der Turm für 11 Jahre gesperrt, um die drohende Gefahr eines Einsturzes zu verringern. 38 Kubikmeter Erde wurden unter der höhergelegenen Seite des Fundaments entfernt, um den Turm um 44 Zentimeter aufzurichten. Weitere Stabilisierungsarbeiten sorgten dafür, dass das Bauwerk zum ersten Mal in seiner Geschichte nicht mehr absinkt. Heute beträgt seine Neigung noch 4 Grad nach Südosten. Aus Sicherheitsgründen dürfen maximal 40 Personen gleichzeitig den Turm besichtigen und höchstens eine halbe Stunde im Gebäude bleiben.

Schiefer Turm von Pisa

Schiefer Turm von Pisa @iStockphoto/Angelo Arcadi

Der Dom Santa Maria Assunta

Der Grundstein für den Dom zu Pisa wurde im Jahr 1063 gelegt. Eingeweiht wurde er im Jahr 1118 von Papst Gelasius II., obwohl das Gebäude zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht fertiggestellt worden war. Immer wieder wurden Elemente beigefügt, wie etwa die Kuppel Ende des 14. Jahrhunderts oder drei Tore aus Bronze im 17. Jahrhundert. Als Glockenturm für den Dom dient der Schiefe Turm von Pisa, der sich zusammen mit dem Baptisterium und dem Friedhof Camposanto Monumentale ebenfalls auf dem Piazza del Duomo befindet. Das gesamte Ensemble, das im Volksmund auch Piazza dei Miracoli („Platz der Wunder“) genannt wird, zählt seit 1987 zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Wie der Schiefe Turm besteht auch der Dom aus strahlend weißem Carrara-Marmor. Seine 34,2 Meter hohe und 35,5 Meter breite Fassade ist reich verziert und mit Statuen versehen. Auch der Innenraum des Gebäudes weist vielzählige Kunstwerke auf. Optisch geprägt wird das Kirchenschiff durch zwei Reihen von Säulen aus Granit.

Das Baptisterium

Das Baptisterium, auf Italienisch Battistero di Pisa genannt, ist die Taufkirche des Doms. Mit einer Höhe von 54 Metern und einem Umfang von 107 Metern ist sie die größte Taufkirche der Welt. Mit dem Bau wurde im Jahr 1152 begonnen, als Vorbild diente die Grabeskirche in Jerusalem. Erst 1394 wurden die Arbeiten am Baptisterium beendet. Im 15. Jahrhundert wurde noch eine bronzene Statute von Johannes dem Täufer auf die Spitze des Bauwerks gestellt. Wie der Dom und der Schiefe Turm besteht auch die Taufkirche aus weißem Marmor.

Camposanto Monumentale

Das vierte Element des Piazza del Duomo ist der Friedhof Camposanto Monumentale. Er besteht aus einem rechteckigen Gebäude, das sich nach innen auf einen Hof öffnet. Im Säulengang des Gebäudes stehen Grabmäler von Adligen aus Pisa. Mit dem Bau wurde im Jahr 1278 begonnen. Ebenso wie beim Schiefen Turm mussten die Arbeiten unterbrochen werden, als Pisa die Schlacht bei Meloria verlor. Somit fand der Camposanto erst im Jahr 1358 seine Vollendung. Der Säulengang ist durch mehrere Fresken verziert worden, darunter der Zyklus „Triumph des Todes“. Dieser wurde lange Zeit dem Maler Buonamico Buffalmacco zugeschrieben, allerdings geht man nach heutigem Stand der Forschung davon aus, dass sein Berufskollege Francesco Traini dafür verantwortlich war. Der Camposanto Monumentale gilt als Vorbild für viele ähnliche Friedhöfe auf der ganzen Welt, darunter den Stadtgottesacker in Halle (Saale).

Piazza dei Cavalieri

Der „Platz der Ritter“, wie der Piazza dei Cavalieri auf Deutsch heißt, ist gesäumt von ansehnlichen Gebäuden. Lange Zeit war er so etwas wie das weltliche Pendant zum Piazza del Duomo. Der Palazzo della Carovana wurde etwa im Jahr 1560 erbaut. Seine Fassade ist nach innen gebogen und mit vielzähligen Wappen verziert. Zum Eingang führt eine von beiden Seiten begehbare Treppe, vor der eine Statue und ein Brunnen stehen. Neben dem Palast steht ein weiterer, nämlich der Palazzo dell’Orologio. Er wurde schon im Jahr 1357 als Verbindung zwischen dem Staatsgefängnis Torre delle Sette Vie und dem Hungerturm Torre della Fame erbaut. Seinen Namen, der „Uhrenpalast“ bedeutet, erhielt der Palazzo dell’Orologio wegen der großen Uhr an seiner Fassade. Neben den beiden Palästen ist die Kirche Santo Stefano dei Cavalieri zu finden. Sie entstand im Jahr 1567 und ist vor allem wegen ihrer bemalten Decke aus Holz, ihrem Altar aus der Zeit des Barock sowie vielen von den Sarazenen erbeuteten Schätzen sehenswert.

Die Kirchen von Pisa

Auf dem Stadtgebiet von Pisa befinden sich mehrere Dutzend Kirchen, die zum Teil schon entweiht worden sind. Allein eine Auflistung der Gotteshäuser mit den wichtigsten Daten würde den Rahmen sprengen. Daher seien hier nur einige besonders sehenswerte Kirchen der toskanischen Stadt kurz vorgestellt. Mit dem Bau der Kirche San Paolo a Ripa d’Arno wurde schon im 11. Jahrhundert begonnen, nachdem an gleicher Stelle ein anderer Kirchenbau von Anfang des 9. Jahrhunderts verfallen war. Die Arbeiten wurden allerdings erst im 13. Jahrhundert beendet. Schwere Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg sorgten dafür, dass die Kirche „am Ufer des Arno“, wie ihr Beiname übersetzt lautet, größtenteils neu errichtet werden musste. Heute wird sie als Pfarrkirche genutzt. Das Highlight im Innenraum ist eine Reihe von Fresken aus dem 14. Jahrhundert.

Bei Santo Sepolcro, auf Deutsch „Heiliges Grab“, handelt es sich um eine Kirche, die eine achteckige Grundfläche hat. Erbaut wurde sie im 12. Jahrhundert, als Vorbild diente wie beim Baptisterium die Grabeskirche von Jerusalem. Der kleine rechteckige Glockenturm auf der Spitze ist nie vollendet worden. Der größte Teil der Inneneinrichtung wurde im 19. Jahrhundert zerstört, das Portal hingegen ist mit Löwen aus Marmor geschmückt.

Zu den kleineren, aber auch schönsten Kirchen von Pisa gehört Santa Maria della Spina. Sie wurde Anfang des 13. Jahrhunderts erbaut, damals noch unter dem Namen Santa Maria di Pontenovo. Der bis heute gültige Namenszusatz „Spina“ bedeutet auf Deutsch „Dorne“ und liegt darin begründet, dass im 14. Jahrhundert ein Dorn aus der Krone, die Jesus Christus am Kreuz trug, in die Kirche gebracht wurde. Heute befindet sich der Dorn allerdings in der Kirche Santa Chiara, die nur wenige Schritte vom Piazza dei Miracoli und somit vom Dom entfernt ist. Da die Dornenkirche, wie Santa Maria della Spina dennoch genannt wird, auf einer Ebene mit dem Arno erbaut wurde, musste sie Ende des 19. Jahrhunderts versetzt werden, um Hochwasserschäden zu verhindern. Beim Neuaufbau sowie späteren Restaurationsarbeiten wurden originale Teile der Fassade, vorwiegend Statuen, entfernt und ins Nationalmuseum San Matteo gebracht. Die Kirche wurde ihrerseits mit Kopien ausgestattet. Im Innenraum der Kirche sind hingegen noch einige Statuen zu sehen, die aus dem 14. Jahrhundert stammen.

Etwas abseits der Innenstadt, im Ortsteil San Piedro a Grado, steht eine Basilika, die den gleichen Namen wie der Ortsteil trägt. Erbaut wurde sie zwischen dem 10. und dem 11. Jahrhundert, wobei Teile der Kirche bereits aus dem 4. Jahrhundert stammen. Der freistehende Glockenturm der Basilika wurde nach seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg nur teilweise wieder aufgebaut. Der Legende nach hat der Heilige Petrus an dem Ort, an dem das Bauwerk heute steht, zum ersten Mal den Boden Italiens berührt. Im Innenraum sind daher Fresken zu sehen, die aus dem Leben von Petrus erzählen. Ebenso befinden sich Bildnisse aller Päpste von Petrus bis zu Johannes XVIII., der Anfang des 11. Jahrhunderts amtierte, in der Kirche.

Orto botanico di Pisa

Der Botanische Garten von Pisa wurde bereits Mitte des 16. Jahrhunderts angelegt. Damit ist er der älteste botanische Garten der Welt. Da er sich heute allerdings nicht mehr an dem Ort befindet, an dem er gegründet wurde, hat er den offiziellen Status an den Orto botanico von Padua verloren. Betrieben wird der Botanische Garten von Pisa von der Universität der Stadt, bei freiem Eintritt ist er wochentags immer am Vormittag geöffnet. In einer Abteilung der Anlage befinden sich etwa 550 Pflanzen, die nach systematischen Gesichtspunkten angeordnet sind. Eine andere beinhaltet rund 140 Heilpflanzen. Eine Immergrüne Magnolie und ein Gingko stellen die ältesten Bäume dar, die im Garten beheimatet sind, sie wurden beide im Jahr 1787 gepflanzt. Das ehemalige Institutsgebäude, das Ende des 16. Jahrhunderts errichtet wurde, verfügt über eine Fassade, die mit Korallen und Muscheln besetzt ist.

Museen von Pisa

Im Laufe der Jahrhunderte, auf die Pisa zurückblickt, haben sich reichhaltige kulturelle Schätze angesammelt. Untergebracht sind sie in verschiedenen Museen der Stadt. Dazu zählt beispielsweise das Museo Nazionale di San Matteo. Untergebracht ist es im Kloster San Matteo. Im Nationalmuseum sind vor allem Keramiken, Gemälde und Statuen aus dem Mittelalter ausgestellt. Als ein Höhepunkt der Sammlung zählt ein Gemälde des Renaissance-Malers Masaccio, in dem dieser den Heiligen Paulus darstellt. Ursprünglich war das Bild Bestandteil eines größeren Gemäldes, das im 18. Jahrhundert zersägt wurde. Die anderen Teile sind heute in Museen in London, Neapel, Malibu und Berlin ausgestellt.

Im Museo delle Sinopie, das auf dem Piazza del Duomo steht, sind Statuen und Gemälde untergebracht, die aus dem Camposanto Monumentale entfernt wurden. Außerdem – und daher stammt der Name des Museums – sind hier so genannte Sinopien zu sehen. Das sind Vorzeichnungen von Fresken, die Künstler mit roter Kreide angefertigt haben, bevor sie sich auf dem Friedhof ans Werk gemacht haben. Somit beherbergt das Museum eine der größten Sammlung von mittelalterlichen Zeichnungen der Welt. Untergebracht ist es im ehemaligen Krankenhaus des Klosters Santa Chiara, das Ende des 13. Jahrhunderts errichtet wurde.
Ebenfalls auf dem Piazza del Duomo steht das Museo dell’Opera del Duomo. Darin sind wichtige Kunstwerke zu sehen, die aus allen Kirchen der Stadt zusammengetragen wurden. Der Mittelpunkt der Sammlung sind jedoch Stücke, die aus dem Dom selbst stammen. Dazu zählen beispielsweise Ornamente von der Fassade des Gotteshauses, aber auch der so genannte Domschatz. Eines der wichtigsten Kunstwerke der Ausstellung ist eine Statue der Madonna, die der Bildhauer Giovanni Pisano im 13. Jahrhundert aus Elfenbein geschaffen hat.

Vor allem Freunde der Seefahrt werden beim Besuch des Museo Cantiere delle Navi Antiche auf ihre Kosten kommen. Darin sind die Wracks von rund 30 Schiffen aus der Zeit der Römer zu sehen, wobei das älteste von ihnen aus dem 3. Jahrhundert vor Christus stammt. Dazu sind die noch erhaltenen Ladungen ausgestellt. Gefunden wurden die Schiffe bei Ausgrabungen einer antiken Hafenanlage.