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Die Geschichte der Toskana

Die Toskana ist heute ein sehr beliebtes Urlaubsziel für Familien, Sportbegeisterte und Italienliebhaber überhaupt, denn die Freizeitaktivitäten sind vielfältig, die toskanische Küche ist ein kulinarischer Hochgenuss und gerade in der Toskana lässt sich „La dolce vita“ wie es die Italiener nennen besonders gut verwirklichen. Kaum einer der zahlreichen Italienurlauber weiß jedoch, dass dieser italienische Landstrich in den letzten fast 2500 Jahren so einiges mitgemacht hat und vor allem eine kulturelle Vorreiterrolle für Italien gespielt hat. Die zahlreichen alten Städte in der Toskana zeugen mit ihren historischen Gebäuden zwar von einer langen und ehrwürdigen Geschichte, doch letztlich ist eben den wenigsten die bewegte Geschichte der Toskana bekannt, wenn sie sich ein Hotel, eine Ferienwohnung oder eine kleine Villa in der Toskana mieten.

Die Geschichte der Toskana kann man etwa im 4. Jahrhundert vor Christus beginnen lassen, denn in dieser Zeit wird die Toskana das erste Mal als einheitliches Gebiet aufgefasst und in historischen Quellen erwähnt. Man sprach in dieser Zeit aber eigentlich noch nicht von der Toskana, sondern von Etrurien. Etrurien wurde im 4. Jahrhundert von den Römern erobert und im Jahre 351 vor Christus endgültig an das römische Reich angegliedert. Die Römer benannten das eroberte Etrurien nach seinen Einwohnern den Tuszien oder Tuscia, so dass man aus dieser Benennung auch den heutigen Namen Toskana ableiten kann.

Tuscia blieb aber zunächst für einige Jahrhunderte fester Bestandteil des römischen Reiches und erlebte unter verschiedenen römischen Kaisern eine relativ ruhige Zeit. Dies änderte sich mit dem Untergang des römischen Westreiches, wodurch natürlich auch die administrative und politische Lage von Tuscia unsicher wurde. Nacheinander geriet Tuscia in den Machtbereich von Byznaz, in den der Ostgoten und in den von griechischen und lombardischen Herzögen. Diese wechselhafte Zeit der Eroberungen und ständigen Unsicherheit wurde erst durch Karl den Großen beendet, denn dieser eroberte das Gebiet, setzte endgültig den Namen Tuscia oder Toskana für das Gebiet, das wir heute noch als Toskana bezeichnen fest und unterstellte die Toskana einem fränkischen Herzog oder Markgrafen. Ob es sich bei diesem Markgrafen um Bonifaz handelte ist umstritten, allerdings ist sich die Forschung einig, dass Bonifaz einer der frühesten und wichtigsten Markgrafen in der Toskana war.

In den folgenden Jahrhunderten wurde das Geschick der Toskana dann von den Ereignissen der damaligen Weltpolitik bestimmt, denn je nachdem wie die toskanischen Markgrafen sich zu den wichtigen weltpolitischen Themen äußersten und stellten und für wen sie Partei ergriffen so wurde auch die Toskana in politischen Dingen geführt. Entscheidend waren in dieser Zeit natürlich auch immer die Einstellung und das Bekenntnis zur römisch-katholischen Kirche und zu den Päpsten.

Toskana

Toskana ©iStockphoto/ronnybas

Ein wichtiger weiterer historischer Einschnitt erfolgte mit der ersten weiblichen Regentin in der Toskana, nämlich mit Beatrix, die bis 1076 regierte. Zu dieser weiblichen Regentschaft war es gekommen, weil die männliche Linie der Markgrafen mit der unerwarteten Ermordung von Bonifaz dem II (oder III) im Jahre 1052 ausgestorben war. Beatrix, die Frau von Bonifaz heiratet zwar nochmals nach dessen Tod, ließ sich die Macht aber nicht mehr nehmen und gab die Regierungsgeschäfte sogar an ihre Tochter Matilda aus erster Ehe weiter. Mathilda regierte wie ihre Mutter relativ ruhig und gut, da sie aber keine Kinder hatte endete mit ihr endgültig die Linie der Markgrafen überhaupt und ein Streit um die Toskana brach los. Matilda hatte sich bereits zu Lebzeiten im Investiturstreit auf die Seite des Papstes gestellt und nach ihrem Tod all ihren Besitz der Kirche vermacht, doch es war umstritten, inwieweit ein Markgraf oder eine Markgräfin überhaupt über kaiserliches Lehen verfügen dürfte. In jedem Fall beanspruchten sowohl die Päpste als auch die Kaiser das Gebiet der Toskana für sich und besonders Heinrich der V, Kaiser des Heiligen Römischen Reichs bestand auf seinem Anspruch auf das Herzogtum. Dieser Streit konnte über ein Jahrhundert lang nicht beigelegt werden und bestimmte die Geschicke der Region, allerdings trug dieser Streit auch dazu bei, dass die großen Städte der Toskana wie Florenz, Pisa, Siena, Arezzo, Pistoia und Lucca eine immer stärkere Rolle einnehmen konnten und immer unabhängiger wurden.

Die Geschichte der Toskana ist daher vor allem im 13. und 14. Jahrhundert eher von Ereignissen in diesen Städten und von herausragenden Persönlichkeiten geprägt. Fast alle Namen die landläufig mit der italienischen Renaissance verbunden werden haben in irgendeiner Form mit der Toskana zu tun. Zu denken ist zum Beispiel an den Dichter Dante, den Maler Giotto, den Schriftsteller Boccaccio oder den Humanisten Petrarca, die alle in der Toskana lebten und vor allem arbeiteten. Keine Region in Italien und wahrscheinlich auf der ganzen damals bekannten Welt konnte in dieser Zeit der Toskana kulturell das Wasser reichen. Dies zeigt sich zum Beispiel auch daran, dass der toskanische Dialekt zur Sprache der Literatur in Italien avancierte und zur Dichtersprache überhaupt wurde.

Kulturelles und politisches Zentrum in dieser Zeit wurde in immer stärkerem Maße Florenz, dass 1406 Pisa zur Unterwerfung zwingen konnte und das ab den 40er Jahren des 15. Jahrhunderte von den so genannten Medici regiert wurde, eine der einflussreichsten und wohlhabensten Familien in der italienischen Geschichte überhaupt. Die Medici stellten positive Beziehungen zu Kaiser Karl dem V her, der die Medicis dafür unterstützte und ihnen das Herzogtum um Siena als Geschenk gab. Dadurch wurde aber auch der spanische Einfluss in Florenz größer, der etwa zweihundert Jahre anhielt. Der letzte Vertreter der Linie Medici starb nämlich 1737 und hiernach wurde Florenz und die Toskana von Franz dem I, dem Herzog von Lothringen und Ehemann der Habsburger Kaisertochter Maria Theresia in Besitz genommen. Allerdings hielt sich der spätere Kaiser in seinem Leben nur einmal in der Toskana auf, so dass die Geschicke der Toskana vielmehr von den eingesetzten Fürsten bestimmt wurden. Diese kannten oft Land und Leute kaum und versuchten lediglich sich zu bereichern indem horrende Steuern verlangt wurden was zur Verarmung des Landes beitrug.

Besser erging es der Toskana erst unter Fürst Peter Leopold, der die nötigen Reformen in der Toskana sowohl in der Regierung, als auch bei den Steuern und in der Wirtschaft durchsetzte. Im folgte sein zweiter Sohn Ferdinand der III in die Regierung nach und diese Linie setzte sich bis 1859 fort. Allerdings blieb aber natürlich auch die Toskana nicht unberührt von den Wirren der französischen Revolution und den Revolutionskriegen rund um Napoleon. Zwar versuchte oben erwähnter Ferdinand der III Neutralität zu wahren, doch bereits 1799 zogen republikanische Truppen in Florenz ein und zwangen Ferdinand den III zur Flucht. Mit dem Sturz Napoleons kehrte Ferdinand allerdings 1814 zurück und stellte die alten Verhältnisse wieder her, die bis 1859 andauerten. Denn dann wurde der amtierende Großherzog als Reaktion auf weltpolitische Vorgänge abgesetzt und eine provisorische Regierung trat an seine Stelle. 1861 wurde die Toskana an das Königreich Italien angegliedert, worüber das toskanische Volk ein Jahr zuvor abgestimmt hatte und seitdem ist die Geschichte der Toskana an die Italiens gebunden.