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Montepulciano

Der Montepulciano ist einer der beliebtesten Weine Italiens. Auch in Deutschland findet man ihn fast in jedem Weinregal. Weniger bekannt ist jedoch die Stadt. die dem Wein ihren Namen gab: Montepulciano. Völlig zu Unrecht!

Auf einem 600 Meter hohen Hügel, mit einer dicken mittelalterlichen Stadtmauer umgeben, nicht sehr weit von Siena, liegt die wie verträumt wirkende Stadt mit ihren etwa 14.000 Einwohnern inmitten der Toskana. Montepulciano ist eine alte Stadt, wurde sie doch schon im Jahre 750 vor Christus nachweislich erwähnt – wie viele alte Städte zum eigenen Schutz auf einem Hügel erbaut. Den schönsten Blick auf Montepulciano hat man vom Chiana-Tal aus mit der Kirche Sant’Agnese im Vordergrund. Die Heilige Agnes ist die Schutzpatronin Montepulcianos und wird von den Einwohnern sehr verehrt. Ihr Grab befindet sich in dieser Kirche.

Die Stadt selbst ist Geschichte pur. Wenn man sich dafür interessiert, ist eine Stadtführung auf Deutsch dringend empfohlen. Doch Vorsicht: Im Prinzip ist die Stadtführung eine mehr oder weniger oberflächliche Erklärung der Sehenswürdigkeiten. Diese Aussage kann keine Kritik sein, denn Erklärendes gibt es so viel im Überfluss, dass es schwer fällt, Prämissen zu setzen. Alles ist an einem Tag sowieso nicht zu bewältigen, deshalb sollte man sich am besten zwischen Kirchen und Palästen entscheiden.

Hier einige Empfehlungen; die barocke San-Bernardo-Kirche des Heiligen Augustinus, die Kirche Santa Maria dei Servi, die Kirche Madonna di San Biagio (Sankt Blasius). Alle Kirchen sind mit wertvollen Kunstschätzen bestückt.

Die Paläste, stammen überwiegend aus der Spät-Renaissance: Avignonesi-Palast, Tarugi-Palast, Palast Cocconi-Del Pecora, Palast Bucelli, Palast Tarugi-Capelli, Palazzo del Monte, Palazzo Nobil, Prätorenpalast, Palazzo Ricci, Palast Neri-Orselli, der das Stadtmuseum beherbergt, Palast Benincasa. Jeder Palast hat seine eigene Geschichte und sein eigenes Aussehen.

Mittelpunkt von Montepulciano ist die Piazza Grande. Sicherlich einer der schönsten Plätze der Toskana, umsäumt von den wichtigsten Gebäuden der Stadt. Man findet dort den Dom, Montepulciano ist Bischofssitz, mit seiner unvollendeten Fassade. Dann das Rathaus mit einem imposanten Mittelturm, von dem man bei klarem Wetter tolle Aussichten in alle Richtungen hat. Montepulciano ist aber nicht nur Geschichte, die Stadt und ihre Menschen strahlen auch jede Menge Lebensfreude aus. Man freut sich auf das jährlich von Ende Juli bis Anfang August stattfindende Musikfestival, auf die Meisterkurse der Musikhochschule Köln mit ihren Abschlusskonzerten im Palazzo Ricci. Man ist stolz, auch Kulisse für berühmte Filme zu sein. Am bekanntesten ist der Spielfilm „Der englische Patient“.

Montepulciano

Montepulciano @iStockphoto/Luis Pedrosa

Ein traditionelles Fest ist das „Bravio delle botti“. Teil der alljährlichen Wettkämpfe in der gesamten Toskana verschiedener Stadtteile gegeneinander. In Siena wird dies mit Pferden gemacht, in Montepulciano werden Weinfässer den Berg hoch gerollt. Im Mittelpunkt dieses Festes steht jedoch die Lust am Feiern. Und mit was kann man dies besser, als mit dem Wein, der den Namen der Stadt trägt.

Wenn es aber ganz genau nimmt, dann wird der Montepulciano-Wein hier gar nicht angebaut. Der beste, der „Vino Nobile di Montepulciano“ wird aus der Sangiovese-Traube erzeugt, von der normalerweise der bekanntere Chianti-Wein ausgebaut wird. Hauptanbaugebiete sind die Regionen Abruzzen und Marken. Urlauber sollten jedoch unbedingt wissen, dass man für denselben Wein oft unterschiedliche Namen verwendet: Cordisco, Morellone, Primaticcio und Uva Abruzzi sind ebenfalls Montepulciano-Weine.

Was macht aber das Besondere des Montepulciano aus? Auf den ersten Blick erscheint die Farbe in tiefem Rot, ähnlich einem Smaragd. Der Wein hat einen leicht herben, aber angenehmen Nachgeschmack. Man sollte aber wissen, dass es einer der alkoholreichsten italienischen Weine ist, den man lange lagern kann. Besonders gute Tröpfchen heißen „Montepulciano d’Abruzzo Rosso“ und „Rosé Montepulciano d’Abruzzo Cerasuolo“. Die Bezeichnung Riserva dürfen sie nach dreijähriger Lagerung führen.

Die Verbindung von Kunst, Kultur, Architektur, Natur, Wein und Kulinarischem lohnen einen längeren Aufenthalt. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es in Montepulciano selbst, aber auch in der näheren Umgebung.